Tiefer kann man kaum sinken – zumindest im Preis: Für 150 Euro lockt das Xiaomi Redmi Note 8T am Black Friday zum Kauf. Wo ist der Haken? COMPUTER BILD macht den Praxis-Test.
Einschätzung
Bewertung
gut
Ein heller, hochauflösender Full-HD-Plus-Bildschirm, eine taugliche Vierfachkamera und Schnellladen: Für ein Smartphone zum Einsteigerpreis bietet das Redmi Note 8T eine überraschend starke Ausstattung. Allerdings ist das Display recht kontrastschwach, die Qualität der Vierfachkamera nicht auf Spitzenniveau. Das moderne Glasdesign tröstet darüber hinweg und rundet den Premiumeindruck ab.
Während das Xiaomi Mi Note 10 den Angriff auf die Oberklasse wagt, soll das Xiaomi Redmi Note 8T in der günstigen Einstiegsklasse punkten und eine Alternative zu den Bestsellern Samsung Galaxy A40 sowie Samsung Galaxy A50 bieten. Vierfachkamera, Gorilla-Glass-Gehäuse und Schnellladen: Die Ausstattung des Smartphones wirkt für den Amazon-Angebotspreis von unter 150 Euro fast zu schön, um wahr zu sein. Der Traumpreis trifft auf den Praxis-Test!
Das 6,3-Zoll-Display mit Notch wirkt durch sein 19,5:9-Seitenformat modern, weist aber eine Schwäche der meisten Smartphones unter 200 Euro auf: Der Bildschirm nutzt kontrastschwache LCD-Technik. Xiaomi selbst nennt einen Kontrast von nur 1500:1. Dafür zeigt das Panel ein helles Bild (630 Candela pro Quadratmeter) und die Auflösung kann sich sehen lassen: Full HD+ (2340x1080 Pixel). Im Verhältnis zur Displaygröße ergeben sich starke 409 Pixel pro Zoll (Pixels Per Inch, PPI). Samsungs Galaxy A50 löst bei 6,4 Zoll Diagonale ähnlich hoch auf, kommt aber mit einem kontraststärkeren OLED-Display – und kostet eine ganze Ecke mehr. Dafür versprüht das Note 8T Premiumflair: Gorilla Glass 5 schützt das Smartphone vorn ebenso wie hinten. Zum Vergleich: Geräte aus derselben Preisklasse – zum Beispiel das Galaxy A20e von Samsung – stecken meist in einem Kunststoffgehäuse. Die präzise Verarbeitung, die beim Druckpunkt der Seitentasten oder der schicken Umrahmung der rückseitigen Kameraeinheit auffällt, verstärkt das Premiumgefühl.
Das 6,3-Zoll-Display des Redmi Note 8T nutzt LCD-Technik und füllt die Frontseite gut aus.
Foto: Xiaomi
Das Gehäuse des Redmi Note 8T besteht aus Gorilla Glass 5, es ist an den Kanten minimal abgerundet.
Foto: Xiaomi
Fast schon unscheinbar befindet sich der dezente Fingerabdrucksensor auf der Rückseite des Redmi Note 8T.
Foto: COMPUTER BILD
Steht ab: Der Bildschirm hebt sich nur leicht vom eleganten Gehäuserahmen ab, die Kamera-Einheit merklich.
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Xiaomi Redmi Note 8T: Kameras für alle Fälle
Der wohl größte Unterschied zwischen High-End- und Mittelklasse- sowie Einstiegsmodellen: die Fotoqualität. Die mittelpreisigen und günstigen Smartphones kämpfen hier mit den immer gleichen Problemen, beispielsweise Detailschwäche und Bildrauschen, vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen. Demgegenüber bieten die teuren Smartphones mit immer ausgefeilteren Technologien selbst in schwierigen Situationen eine gute Qualität – und das lassen sich Apple, Huawei & Co. gut bezahlen. Die größte Schwäche des preiswerten Note 8T dürfte also die Kamera sein. Oder etwa nicht? Die Spezifikationen stimmen schon einmal optimistisch: eine 48-Megapixel-Hauptkamera mit f/1,79 Blende und normalem Weitwinkel (79,4 Grad Sichtfeld), eine Ultraweitwinkelkamera mit 120 Grad Sichtfeld sowie 8 Megapixeln und ein 2-Megapixel-Makroobjektiv. Die vierte Kamera ist eine Hilfslinse in Form eines Tiefensensors mit 2 Megapixeln für Bokeh-Effekte. Vorn ist eine 13-Megapixel-Kamera verbaut.
Auf der Rückseite trägt das Xiaomi Redmi Note 8T vier Kameras: eine 48-Megapixel-Hauptkamera und je eine Ultraweitwinkel-, Makro- sowie Hilfslinse für Tiefenschärfe.
Foto: COMPUTER BILD
Xiaomi Redmi Note 8T: Gute Fotos bei Tag
COMPUTER BILD hat das Redmi Note 8T durch unterschiedliche Testszenarien geschickt: von simuliertem Tageslicht bis schummerigem Kerzenschein – die Anforderungen an das Testgerät sind hoch. Bei guter Beleuchtung schoss das Handy erstaunlich gute Fotos. Im direkten Vergleich zum Bestenlistegiganten Huawei P30 Pro sind auf dem ersten Blick kaum Unterschiede bemerkbar.
Das Huawei P30 Pro schießt bei Tageslicht messerscharfe Fotos. Selbst komplexe Strukturen wie die feinen Grashalme stellen sie detailliert dar.
Foto: COMPUTER BILD
Beide Smartphones liefern eine hochauflösende und scharfe Aufnahme. Das Bildrauschen hält sich bei der Xiaomi-Knipse in Grenzen, Farben sind lediglich minimal verfälscht. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass das Note 8T feine Details komplexer Strukturen weniger präzise darstellt. Trotzdem: Bei Tageslicht und guter, künstlicher Beleuchtung schießt das Schnapper-Handy sehr ansehnliche Bilder. Bei Nacht zeigt es hingegen seine Schattenseiten ... (Hinweis: Ausschnitte der Testfotos sehen Sie im Artikel; alle Fotos sind unter dem Artikel verlinkt – nur in der Desktop-Version abrufbar.)
Fast klar: Details arbeitet das Redmi Note 8T nicht so gut heraus wie das P30 Pro, schlägt sich aber in dieser herausfordernden Disziplin gut.
Foto: COMPUTER BILD
Bei guter Beleuchtung gibt das Redmi Note 8T Farben natürlich wieder, kämpft aber in dunkleren Bereichen wie Schatten mit leichtem Bildrauschen.
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Xiaomi Redmi Note 8T: Blind Date bei Nacht
Bei simuliertem Kerzenschein trifft sehr wenig Licht auf das Test-Chart von COMPUTER BILD: nur 3 Lux. Das entspricht drei Kerzen beziehungsweise der Lichtmenge eines Candlelight-Dinners oder Kneipenabends – bei dem man das Redmi Note 8T lieber in der Tasche lässt: Das Foto ist überaus dunkel, das Motiv kaum vollständig erkennbar. Und das, was man sieht, will man nichts sehen: Bildrauschen, Detailverlust und Farbverfälschungen an allen Stellen. Hier merkt der Tester, dass es sich um ein Mittelklassegerät handelt, und hier zeigt das Huawei P30 Pro, warum es sein Geld wert ist: Es liefert ein klares, gut aufgelöstes Bild, das sogar die gemütliche, gelbliche Farbtemperatur des Lichts wiedergibt. Der Makro-Modus und Ultraweitwinkel des Xiaomi Redmi Note 8T sind nette Zusätze, machen aber keine schlechte Kamera besser. Mit dem Makroobjektiv lassen sich kleine Details aus nächster Nähe fotografieren, allerdings mit sehr geringer Auflösung. Auch der Ultraweitwinkel verzichtet zugunsten des großen Bildausschnitts auf eine hohe Auflösung.
Bei Candlelight das Note 8T lieber stecken lassen: Details verschwimmen, starkes Bildrauschen, der Sensor nimmt zu wenig Licht auf.
Foto: COMPUTER BILD
Wenig Licht, wenig Qualität: Die geringe Beleuchtung setzt dem Sensor des Note 8T zu. Grobes Bildrauschen, Farbverfälschungen und Detailverlust sind die Folge.
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Xiaomi Redmi Note 8T: Leistung, Akku, Anschlüsse
Der Snapdragon-665 gibt sein Bestes, bleibt aber ein Mittelklasseprozessor. In den Benchmarks ist er auf Augenhöhe mit aktuellen Einsteigergeräten wie Samsung Galaxy A50 und übertrifft günstigere Modelle wie Samsung Galaxy A20e. Doch den hochpreisigen Sprintmeistern wie Apples iPhone 11 oder Samsungs S10 hinkt das Note 8T in dieser Disziplin hinterher. Für wenig anspruchsvolle sowie alltägliche Aufgaben bietet das Gerät ausreichend Arbeitstempo und eine angenehme Geschwindigkeit. In der hier getesteten Variante kommt das Note 8T allerdings mit nur 32 Gigabyte (GB) internem Speicher – immerhin erweiterbar – und 3 GB Arbeitsspeicher. Das ist selbst für die Mittelklasse wenig, in der Preisklasse unter 200 Euro aber nicht unüblich.
Bei dieser eher schwachen Hardware sollte der Akku mit einer Kapazität von 4.000 Milliamperestunden (mAh) für eine lange Laufzeit sorgen. Geht er doch leer, lässt er sich mit dem beiliegenden 18-Watt-Schnellladenetzteil via USB-C aufladen – das ist sonst hochpreisigen Modellen vorbehalten. Eine Klinkenbuchse für Standard-Headsets und LTE sowie NFC sind eingebaut.
Per USB-C unterstützt das Redmi Note 8T Schnellladen. Ein 18-Watt-Netzteil liefert Xiaomi mit.
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Xiaomi Redmi Note 8T: Testfazit
Hält man das Note 8T in der Hand, wirkt es wie ein hochpreisiges Huawei. Umso mehr stand meinen COMPUTER BILD-Kollegen die Überraschung ins Gesicht geschrieben, als ich den Kostenpunkt verriet. Und genau das ist die Stärke des Note 8T: Für wenig Geld bringt es viel mit. Das Gehäuse aus Gorilla Glas 5 ist schick, der Bildschirm hochauflösend, die Schnellladefunktion in der Preisklasse unter 200 Euro rar und die Hauptkamera bei guten Lichtverhältnissen überzeugend. Dafür verzichtet man auf ein kontrastreiches OLED-Display ebenso wie leistungsstarke Hardware. Der geringe Arbeitsspeicher von 3 GB und der geringe interne Speicher von 32 GB halten wohl manchen Interessenten vom Kauf ab. Immerhin: Für 190 Euro (Stand: November 2019) bekommt man ein Upgrade auf 4 GB Arbeitsspeicher und 64 GB internen Speicher.
Xiaomi Redmi Note 8T: Preis, Farben, Release
Das Redmi Note 8T verkauft Xiaomi seit dem 15. November 2019 in zwei Varianten: 3 GB Arbeitsspeicher plus 32 GB interner Speicher oder 4 GB plus 64 GB. Das Ganze gibt es in den drei Farben Grau, Blau, Weiß – vom Hersteller cooler als Moonshadow Grey, Starscape Blue und Moonlight White bezeichnet.
PS: Die günstigere und abgespeckte Note-8T-Version ist ab Freitag, den 29. November 2019, bei Amazon im Black-Friday-Deal zu haben, für günstige 150 Euro!